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Die Manifesta 16 Ruhr ist in der Markuskirche zu Gast
Ort sozialer Interaktion
Essen, 19.06.2026. Vom 21. Juni bis 4. Oktober wird die Markuskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Frohnhausen nicht als Gottesdienststätte genutzt, sondern verwandelt sich dank einer künstlerischen Installation in einen Ort der Kommunikation und sozialen Interaktion mit Bewohnerinnen und Bewohner, Vereinen, Organisationen und Initiativen rundherum. Möglich macht das die Manifesta 16 - die internationale Kunstausstellung ist in vier Ruhrgebietsstädten zu Gast.
VOR DER MARKTKIRCHE: DIE ARCA
Das PELE Collective sieht den Wandel der Markuskirche als Chance. Ungeachtet der sich wandelnden Bedeutung der Kirche steht sie nach wie vor im Zentrum eines Stadtviertels, umgeben von einem Kindergarten, einem Pflegeheim und einer Schule sowie Hunderten von privaten Gärten und Häusern. Aufgrund dieser Lage wird das Gebäude genutzt, um eine engere Interaktion in der Gemeinschaft zu fördern, insbesondere zwischen den Generationen.
Während der Aufbau- und Eröffnungsphase der Manifesta 16 kreierte das PELE Collective deshalb vor der Kirche einen Treffpunkt im Freien, inspiriert von der Idee einer Arche. Die Struktur dient als Veranstaltungsort und zeigt ein Archiv mit Pflanzen aus nahegelegenen Kleingärten, um die reiche Artenvielfalt der Gegend zu bewahren.
Die genaue Form und Nutzung von „Arca“ wurden im Dialog und in Zusammenarbeit mit den Anwohner*innen festgelegt. Dieser Prozess – Gespräche führen, entwerfen, archivieren – bietet den Menschen die Möglichkeit, die Geschichte des Stadtviertels zu reflektieren und an seiner Zukunft mitzuwirken.
DER INNENRAUM: INSTALLATION VON AUGUSTAS SERAPINAS
Augustas Serapinas hat aus alten Bänken im Hauptschiff der Markuskirche einen Turm geschaffen, der es den Besuchenden ermöglicht, näher an Lilli Lakes Deckeninstallation heranzutreten und einen Blick auf den geheimnisvollen, unzugänglichen Balkon über dem Eingang zu werfen. So verwandelt er Möbel, die sonst mit passivem Aufnehmen verbunden sind, in eine Struktur, die das Publikum emporhebt und zu einer aktiveren und neugierigeren Form des Betrachtens anregt.
Die erhöhte Plattform ist typisch für Serapinas’ fortwährendes Bestreben, verborgene Räume zu enthüllen, und seine unsentimentale Herangehensweise an das materielle Erbe. Er gestaltet historische Artefakte neu, um ihr Aussehen und ihre Funktion zu verändern. Dennoch bleibt die Erinnerung an die Vergangenheit bestehen: Das Design wird durch die Länge und Form der zerlegten Bänke bestimmt – oder, wie er es nennt, durch die „Logik der Kirchenbänke“.
Zur Person: Augustas Serpinas lebt und arbeitet in Vilnius, Litauen. Er beschäftigt sich mit öffentlichen Räumen und setzt sich damit auseinander, wie wir sie normalerweise wahrnehmen und nutzen. Dabei verändert oder „rekombiniert“ er diese Orte, um gewohnte Vorstellungen infrage zu stellen.
In seinen Arbeiten recherchiert er direkt vor Ort und macht dabei oft versteckte Strukturen sichtbar – zum Beispiel soziale Hierarchien, wirtschaftliche Zusammenhänge oder auch Erinnerungen, die in einem Ort eingeschrieben sind. Diese beeinflussen unter anderem, wie Institutionen funktionieren, wie Menschen miteinander umgehen, wem Aufmerksamkeit geschenkt wird und was eher übersehen wird.
Serpinas interessiert sich auch für die Geschichte von Materialien, ihrer Nutzung und ihren Traditionen. Dadurch zeigt er, wie Zugang zu Räumen gesteuert wird – und verwandelt diese Strukturen auf überraschende Weise in etwas Spielerisches oder „freundlich Umgekehrtes“. Indem er die üblichen Funktionen von Orten verändert, eröffnet er verschiedene Arten, einen Raum zu erleben: praktisch, emotional, kulturell oder lokal.
ÜBER DIE MARKUSKIRCHE
Die Markuskirche befindet sich in einem Wohngebiet in Essen-Frohnhausen und ist ein bemerkenswertes Beispiel für eine Sakralarchitektur der Nachkriegszeit.
Der Bau bringt die Grundprinzipien der reformierten Kirchenarchitektur dieser Zeit zum Ausdruck und zeichnet sich durch eine klare, zweckförmige Gestaltung, minimale Verzierungen und eine auf das Wesentliche reduzierte Raumwirkung aus. Mit ihrem hohen Turm, der hellen Fassade und der funktionalen Aufteilung des Raumes ist die Markuskirche ein Ort der Konzentration und Schlichtheit. Mittlerweile ist sie zu einem potenziellen Resonanzraum für Gegenwartskunst und vielfältige Diskurse umkonzipiert worden.
Die Kirche ist von Flachdachgebäuden aus derselben Zeit umgeben, darunter ein benachbarter Kindergarten und ein Gemeindezentrum, die beide eine ähnlich sachliche Architektur aufweisen. Beispielhaft ist die Art und Weise wie die einzelnen Gebäude des Ensembles architektonisch aufeinander abgestimmt und bezogen sind.
KONZEPT DER MANIFESTA 16 RUHR
Die Manifesta 16 ist eine internationale Kunstausstellung und findet vom 21. Juni bis 4. Oktober in vier Städten im Ruhrgebiet statt – Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Dabei werden ehemalige und wenig genutzte Kirchengebäude in kulturelle und gemeinschaftliche Zentren umgewandelt. An diesen Orten organisiert und inszeniert die Manifesta 16 Veranstaltungen, Werkstätten, Ausstellungen sowie ortsspezifische Auftragsarbeiten und Installationen.
Das künstlerische Programm wurde von einem interdisziplinären künstlerischen Team entwickelt, das aus acht Kreativen Vermittler*innen oder auch Creative Mediators besteht: Josep Bohigas, Gürsoy Doğtaş und aus drei generationenübergreifenden Tandems – Henry Meyric-Hughes & Michael Kurtz, René Block & Leonie Herweg sowie Krzystof Kosciuczuk & Anda Rottenberg.
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