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Kirche ist da, wo Menschen Gott begegnen

Reformationsfeier verband Worte, Musik und Tanz

Essen, 31.10.2026. Welche Räume braucht unsere Kirche? Welche Kirchen-Räume brauchen die Menschen in unserer heutigen Zeit? Diesen Fragen näherte sich die diesjährige Essener Reformationsfeier aus verschiedenen Perspektiven. Der festliche Gottesdienst, den der Kirchenkreis alljährlich in der Kreuzeskirche feiert, stand unter dem Motto "Komm, bau ein Haus", einem populären Kirchenlied von Peter Janssens. Die Gestaltung verband Worte, Musik und Tanz.

ORTE DES GLAUBENS, DER KULTUR UND DER BEGEGNUNG

Kirchen, Gemeindehäuser und andere kirchliche Immobilien sind seit Generationen Orte der Begegnung, des Glaubens, der Kultur und des gesellschaftlichen Engagements. Angesichts veränderter Rahmenbedingungen stellt sich heute die Frage, wie diese Räume auch künftig ihrem Auftrag gerecht werden können: Wie kann Kirche ihre Ressourcen so einsetzen, dass sie auch morgen noch nahe bei den Menschen ist?

Wie können unsere derzeitigen kirchlichen Gebäude zu Orten werden, an denen Menschen auch zukünftig Gott, Gemeinschaft und neue Perspektiven erleben? „Ein feste Burg“? Oder doch ganz anders? Diesen Fragen näherte sich der Gottesdienst aus unterschiedlichen Blickwinkeln: in Predigt und Tanz, Musik und Gebet, im Gespräch miteinander und nicht zuletzt im Dialog mit Martin Luther.

Bald nach der Eröffnung mit Lied und Gebet füllte sich der Kirchraum mit Gemurmel, das an das Gebrumm eines Bienenschwarms erinnert: Welche "schönen kirchlichen Orte" kennen Sie?" Was macht sie "schön"? lauteten die beiden Fragen, zu denen sich die benachbarten Besucherinnen und Besucher einen kurzen Moment lang austauschten. In ihrer Predigt über Nehemia 2 ging Skriba Silke Althaus auf den Zwiespalt ein, der unseren Umgang mit Kirchen und Gemeindehäusern heute kennzeichne: Wie können wir das Ziel, an Gottes Kirche "zu bauen", sie "aufzubauen und anzupacken", mit der Gewissheit vereinbaren, dass wir uns aufgrund der sinkenden Mitgliederzahl und abnehmenden Finanzkraft in absehbarer Zeit von einer ganzen Reihe von Kirchen und kirchlichen Gebäuden trennen müssen?

ABWEHR, TRAUER UND SCHMERZ HABEN IHR RECHT

"Wenn wir Kirchen schließen, wird mehr verhandelt als nur eine Immobilie, mehr als ein Renditeobjekt und eine Investitionsfrage", sagte Silke Althaus. "Unsere Abwehr, Trauer und Schmerz haben ihr Recht und ihre Zeit." Und dennoch gelinge vielleicht irgendwann die Freude darüber, was mit diesen Gebäuden noch alles möglich sei, wenn wir uns von ihnen inspirieren ließen und Verantwortung für ihre Zukunft übernähmen. Wichtig sei, diese Erzählung der Zukunft "nicht zu sehr anderen zu überlassen", sondern gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen und sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren - nicht anders, als es Nehemia und später der Reformator Martin Luther einst forderten.

In der biblischen Erzählung von Nehemia, in der das zerstörte Jerusalem wieder aufgebaut werden soll, gehe es nicht um eine "abgeschlossene Baumaßnahme", sondern um Gemeindeentwicklung. Es sei eine Geschichte, die danach frage, was wir für die Zukunft bräuchten, um nach innen und außen als Gemeinde erkennbar zu sein. "Reicht es, Steine wieder aufzurichten? In Jerusalem wurde damals schon bald deutlich: es braucht mehr, mehr als die alten Mauern, um in die Zukunft aufzubrechen", führte Silke Althaus aus.

Inmitten der alten Steine habe Nehemia Zukunft und Möglichkeiten entdeckt, seine Träume hätten nicht im Schutt geendet: "Kommt, lasst uns bauen! Kommt, lasst uns einen Ort bauen, der uns beheimatet, einen Raum, der unseren Hoffnungen Bilder und Worte schenkt. Lasst uns einen Ort bauen für Begegnungen, Austausch und Gemeinschaft. Mit Zeit zum Innehalten und Aufbrechen. Einen Raum, der uns in die Zukunft führt."

DAS BAUEN NICHT VERGESSEN

Bei allem Schmerz und der Trauer um Gebäude, die umgebaut und abgerissen oder in andere Trägerschaften abgeben werden müssten: Kirche sei - unabhängig von Mauern - überall dort, wo christliche Nächstenliebe und Nachbarschaftshilfe geschähen, wo Anteilnahme genommen, Seelsorge geleistet und Einsamkeit überwunden würden, wo gesegnet und gefeiert, für die Bewahrung der Schöpfung und die Menschenwürde benachteiligter und bedrohter Menschen eingetreten werde, so Silke Althaus: "Auch Kirchenasyl geht nicht ohne Räume."

Ob denkmalgeschützt oder nicht, ob mit Kirchturm oder ohne: "Kirche ist der Raum, in dem wir Gott loben, der Ort, an dem Menschen seit Jahrhunderten ihre Gebete sagen und ihre Lieder singen, wo wir getröstet werden und Hoffnung lernen. Kirche ist der Ort der Geschichten von der Liebe Gottes", schloss die Skriba ihre Predigt.

MARTIN LUTHER UND DIE KINDERKATHEDRALE

Kirche ist dort, wo Menschen Gott begegnen und christliche Gemeinschaft entsteht - wie das gehen könnte, machten Pfarrer Dr. Christian Koch und Pfarrerin Heidrun Viehweg im Dialog auf der Bühne deutlich: Der eine in der Rolle des Reformators Martin Luther, der uns mit großer Freiheit im Glauben und Handeln ausgestattet hat und der uns darum frei mache, kirchliche Räume neu zu denken und an bisher verborgenen Orten zu entdecken.

Die andere mit ihrer Vision einer "Kinderkathedrale", in der Kinder und Jugendliche ihre Form von kirchlichem Leben verwirklichen, in der es, von ihnen selbst bestimmt, Theater, Spiele und Kreativität gebe - Kirche als "zweites Zuhause", als Ort gelebter Demokratie "von klein auf" - eine wichtige Rolle kirchlicher Gebäude, die heute vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten sei.

Für ihre beiden Tanzimprovisationen, mit der sie das Thema des Gottesdienstes ausdrucksstark in Szene setzten, erhielten Minseo Kwon und Sihyun Kim spontanen Applaus; wie auch die musikalische Gestaltung durch das renommierte Vokalensemble "Vollklang" unter der Leitung von Kreiskantor Thomas Rudolph und den Bläserkreis Dellwig unter dem Dirigat von David Bernds einmal mehr zu überzeugen wusste.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud der Kirchenkreis Essen zu Begegnungen und Gesprächen ein; für das leibliche Wohl sorgte das Restaurant Church der Diakonie mit kleinen Snacks und Getränken - ein Angebot, das wie immer gerne wahrgenommen wurde!

MITWIRKENDE

- Liturgische Leitung und Predigt: Skriba Silke Althaus
- Dialog: Pfarrer Dr. Christian Koch, Pfarrerin Heidrun Viehweg
- Tanzimprovisation: Minseo Kwon, Sihyun Kim
- Vokalensemble Vollklang: Inga Balzer-Wolf, Ines Niehaus (Sopran), Katharina Beckmann (Alt), Tom Boller, Sascha Mücke (Tenor), Hagen Goar Bornmann (Bariton), Tilman Wolf, Fabian Gsell (Bass)
- Bläserkreis Dellwig, David Bernds (Leitung)
- Orgel, musikalische Gesamtleitung: Kreiskantor Thomas Rudolph
- Technik: Marcel Wrede und Tim Siepmann
- Catering: Restaurant Church

KOLLEKTE

Die Ausgangskollekte war bestimmt für die Notschlafstelle „Raum_58“ bestimmt, die in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen gefeiert hat. „Raum_58“ bietet Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren mit dem Lebensmittelpunkt „Straße“ einen Schlafplatz, etwas zu essen und einen Rückzugsort. Fachkräfte sorgen für eine niederschwellige Beratung und unbürokratische Maßnahmen. „Raum_58“ wird in ökumenischer Verbundenheit von der CSE gGmbH und der CVJM Essen Sozialwerk gGmbH getragen.

 

 

 

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