Nachrichten
GRUNDRECHTE - Mehr als nur Worte
Ausstellungseröffnung in der Auferstehungskirche
Essen, 26.06.2026. In einem Gottesdienst am Sonntag, 28. Juni, um 10.30 Uhr in der Auferstehungskirche, Manteuffelstraße 26, eröffnen die vier Kirchengemeinden im Gestaltungsraum Mitte-West – Altstadt, Frohnhausen, Rüttenscheid und die Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen – die Wanderausstellung „GRUNDRECHTE – Mehr als nur Worte“ des Verfassungsgerichtshofs NRW. Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs NRW, und Dr. Dirk Gilberg, Richter, Fotograf und Autor der Ausstellung, wirken am Gottesdienst mit. Die Leitung hat Pfarrer Ulf Steidel; Superintendentin Marion Greve spricht ein Grußwort.
GRUNDRECHTE - DAS FUNDAMENT UNSERER GESELLSCHAFT
Seit 2021 widmet sich Dr. Dirk Gilberg, im Hauptberuf Direktor des Arbeitsgerichts Köln und Richter am Verfassungsgerichtshof NRW, der künstlerischen Fotografie. Die Ausstellung „GRUNDRECHTE – Mehr als nur Worte“ hat er auf Bitten der Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs NRW entwickelt. Das Original hängt seit 2023 im Gebäude des Verfassungsgerichtshofs in Münster; eine digitale Fassung und Unterrichtsmaterialien für Schulen sind im Internet abrufbar. Aufgrund des hohen Interesses wurde außerdem ein Duplikat erstellt, das als Wanderausstellung bereits in mehreren Hochschulen, Behörden und anderen öffentlichen Gebäuden zu sehen war.
„Die Grundrechte sind das Fundament unserer Gesellschaft. Sie garantieren uns allen ein freies und selbstbestimmtes Leben, schützen uns vor staatlichen Eingriffen und Übergriffen Dritter“, heißt es in der Einladung zur Eröffnung. „Andererseits erschließt sich nicht immer sofort, was diese oft abstrakten Gesetzestexte für unseren Alltag bedeuten.“
Die Ausstellung mache genau das auf eindringliche Weise sichtbar: „Großformatige Fotos, kombiniert mit Textauszügen aus dem Grundgesetz und korrespondierender Literatur, illustrieren Alltagssituationen und zeigen die Relevanz dieser fundamentalen Rechte. Sie erinnern uns daran, wie wertvoll eine freiheitliche Verfassung ist.“ Unter jedem Foto hängt eine Tafel mit einem QR-Code, der zu einer Homepage mit weiteren Informationen führt.
ZUM ERSTEN MAL IN ESSEN, ERSTMALS IN EINER KIRCHE
In Essen wird die Ausstellung zum ersten Mal – und erstmals in einer Kirche – zu sehen sein. Für Pfarrer Ulf Steidel ein idealer Ort: Gerade die Nachkriegskirchen im Ruhrgebiet seien häufig wichtige Lernorte der Demokratie gewesen, und auch heute stelle sich – angesichts der zunehmenden Säkularisierung unserer Gesellschaft – zunehmend die Frage, „welche Funktion kirchliche Orte zukünftig im sozialen und öffentlichen Raum haben sollen, wenn sie nicht mehr exklusiv als Orte der Verkündigung erhalten werden können.“
Mit der Ausstellung möchten die Kirchengemeinden im Gestaltungsraum Mitte-West daher einen Beitrag zu aktuellen Debatten sowohl über die Bedeutung und Verletzlichkeit unserer demokratischen Grundordnung als auch über die Rolle leisten, die Kirche, Glaube und Religion in einer sich wandelnden, aber doch immer am Gemeinwohl orientierten Staatsgesellschaft spielen.
Dass das gerade in der Auferstehungskirche geschieht, passt ebenfalls in mehrfacher Hinsicht: Die Altstadtgemeinde möchte ihre Kirche, deren runde Form auf einen Entwurf des Kirchenarchitekten Otto Bartning zurückgeht und deren Modell als „Leitbild des modernen Kirchbaus in Europa“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin präsentiert wird, gern als Ort des Dialogs von Kirche und Kunst profilieren. Weil die internationale Kunst-Biennale „Manifesta 16“, die mit ihrem Programm „This is not a church“ aktuell im Ruhrgebiet zu Gast ist, nur bereits entwidmete oder zumindest nicht als Gottesdienststätte genutzte Kirchen „bespielt“, kam die Auferstehungskirche nicht als Standort infrage – doch man sei mit den Projektverantwortlichen weiter im Gespräch über eine Zusammenarbeit, wie Ulf Steidel erläutert.
Für die aktuelle Ausstellung wurden in den hinteren Bereichen eigens Kirchenbänke entfernt, um mehr Platz für die Betrachtung der Fotos zu haben und neue Sichtachsen zu schaffen. Dass die Kirche innen durch die runde Anordnung der Bankreihen wie ein Parlament wirkt, was durchaus zum Thema passt, sei nur am Rande erwähnt.
INFOS & KONTAKT
Die Ausstellung „GRUNDRECHTE – Mehr als nur Worte“ wird voraussichtlich bis Mitte September in der Auferstehungskirche gezeigt; Besichtigungsmöglichkeiten will die Kirchengemeinde Altstadt demnächst auf ihrer Homepage bekanntgeben. Zumindest nachmittags lohnt sich ein spontaner Besuch – die Kirche ist immer geöffnet, wenn Gruppen sich im benachbarten Gemeindezentrum treffen – was täglich der Fall sei, sagt Ulf Steidel. Für Rückfragen steht er selbst unter Telefon 0177 1851164 oder per Mail an ulf.steidel(at)ekir.de zur Verfügung. Im Internet gibt es Informationen auf den Webseiten essen-altstadt.de (Gemeinde) und werkladen.de/ausstellung-grundrechte (mit Link zu einem virtuellen 3-D-Rundgang).
STICHWORT: DIE GRUNDRECHTE
Das Grundgesetz verankert eine Reihe von Grundrechten, die den Bürgern fundamentale Freiheiten und Schutz garantieren. Diese Rechte umfassen die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Freiheit der Person, die Freiheit der Meinungsäußerung, Presse- und Informationsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit, die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, die Freizügigkeit, die Berufsfreiheit, das Recht auf Eigentum und das Erbrecht.
Die Grundrechte sind in den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes festgeschrieben und dienen als unmittelbar geltendes Recht, das die Beziehung zwischen Staat und Bürgern regelt und dem Schutz des Einzelnen gegenüber staatlichen Eingriffen dient. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Verfassungsordnung und spiegeln die Werte einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft wider.
STICHWORT: AUFERSTEHUNGSKIRCHE
Die Auferstehungskirche an der Manteuffelstraße 26 wurde 1929/1930 nach den Plänen von Otto Bartning errichtet. Sie gilt als Leitbau des modernen Kirchbaus in Europa. Otto Bartning setzte hier seine Vision der expressionistischen Sternkirche um. Auf kreisförmigem Grundriss richtet sich der Bau auf die Mitte mit Taufbecken und Altar aus. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Auferstehungskirche schwer zerstört und 1948 wieder aufgebaut. Der Innenraum bietet ca. 700 Personen Platz; der Rosengarten ist für Tauf- und Gemeindefest sehr gut geeignet.
Bemerkenswert sind die farbigen Fensterbänder des Glasmalers Johan Thorn-Prikker, die als Teil der Wand ausgeführt sind. Sie wurden im Krieg zerstört und 1992-2008 nach Originalplänen von der Glasmalerei Hein Derix aus Kevelaer rekonstruiert.
In den Jahren 2013 bis 2016 wurde die denkmalgeschützte Kirche aufwändig saniert. Im Glockenturm wurde an Stelle der alten Schallluken die bisherige Gestalt mit Glasfenstern ausgeführt. Nach dem Vorbild der historischen Lampen wurden neue, energiesparenden Leuchten eingesetzt. Zuletzt wurde die vergoldete Decke in der Feierkirche der Auferstehungskirche originalgetreu rekonstruiert.
Zur Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Altstadt »
Zur Homepage über die Ausstellung mit Link zu einer virtuellen 3-D-Ansicht »
