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Auf den Zukunftstag folgt ein Forum
Johannes Heun und Christian Koch vom U-Team im Interview
Der aktuelle Wandel der Evangelischen Kirche in Essen war das Thema eines Zukunftstages Anfang Oktober. Im Gespräch mit der Pressestelle des Kirchenkreises blicken die Pfarrer Johannes Heun (re.) und Dr. Christian Koch vom Unterstützungs-Team auf das sehr gut besuchte Treffen zurück und kündigen als Folgeveranstaltung ein Forum "Kinder, Jugend und Familie" am 14. März im Weigle-Haus an.
IM OKTOBER GAB ES IM KIRCHEKREIS EINEN ZUKUNFTSTAG. WAS HABEN SIE SEITDEM GEMACHT?
Johannes Heun: Wir haben zunächst einmal den Zukunftstag intern ausgewertet. Dann haben wir die gesammelten Erfahrungen und das Feedback für die Tagung der Kreissynode am 14. und 15. November aufbereitet. Ich denke, insgesamt können wir sehr zufrieden sein mit dem Zukunftstag. Natürlich gab es auch kritische Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge. Teilweise mussten wir feststellen, dass die Erwartungen auch sehr weit auseinander lagen. Aber alles in allem blieb für mich ganz klar die Feststellung: es hat sich gelohnt.
Christian Koch: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, das auszuprobieren! Denn vor allem hat uns der Tag ja wieder neu spüren lassen, welche wichtige Funktion gemeinsame, große Veranstaltungen neben den Synpdaltagungen erfüllen; sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch. Teilnehmende und Mitwirkende haben uns zurückgespiegelt, dass es ihnen gutgetan hat, dieses Gemeinschaftserlebnis gemeinsam mit anderen aus der Evangelischen Kirche in Essen zu machen.
PLANEN SIE FÜR 2026 WEITERE VERANSTALTUNGEN?
Johannes Heun: Ja. Bei der Kreissynode haben wir eine konkrete Planung schon präsentiert, nachdem das Feedback so eindeutig in diese Richtung ging. Die Synode hat das positiv aufgenommen. Nun planen wir eine Veranstaltung am 14. März 2026 im Weigle-Haus. Von 11 bis ca. 17 Uhr öffnen sich dann die Türen für ein „Forum Zukunft - Kinder, Jugendliche und Familie“.
WORUM GEHT’S DABEI?
Christian Koch: Das Forum Zukunft soll ein Event sein, wo wir uns im Bereich der kirchlichen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien vernetzen. Im Sinne einer mixed-ecology church soll ein Raum entstehen, in dem Praktiker:innen aus Gemeinde, übergreifenden Diensten, Verbänden, Diakonie, usw. einander begegnen. Es geht zunächst also um ein Kennenlernen, bei dem die verschiedenen Themen, Ressourcen und Bedarfe wahrgenommen werden können. Dann wird es um erste Schritte gehen, wie der eigene Arbeitsbereich unter veränderten Rahmenbedingungen in Richtung einer vernetzten Vielfalt weiterentwickelt werden könnte. Im besten Fall lernen sich also Menschen kennen, die dann gemeinsam Chancen für neue Wege der Zusammenarbeit erkunden und ausprobieren wollen.
WER BEREITET DIESE VERANSTALTUNG DENN MIT IHNEN VOR? UND WER SOLLTE NACH MÖGLICHKEIT DARAN TEILNEHMEN?
Johannes Heun: Gemeinsam mit Monika Kindsgrab, Marion Greve und Silke Althaus haben wir Personen aus allen Bereichen angesprochen. Beim ersten größeren Treffen zur Vorbereitung waren Repräsentanten der KiTa-Verbände, der Diakonie, Menschen aus der Evangelischen Jugend und Pfarrpersonen aus dem Schul- und Gemeindedienst dabei.
Christian Koch: Die Zielgruppe des Forums sind allgemein gesprochen alle Menschen, die sich mit der Arbeit mit Kindern, Familien und Jugendlichen im Kontext der Evangelischen Kirche in Essen identifizieren. Das meint in erster Linie Haupt- und Ehrenamtliche, die in diesem Arbeitsbereich Verantwortung tragen. Wir wollen ja ganz unterschiedliche Menschen zusammenbringen und laden entsprechend breit ein: in den Gemeinden, den Kitas und Beratungsangeboten der Diakonie, den übergreifenden Diensten, Schulen und kirchlichen Verbänden unserer Stadt. Dabei ist uns auch wichtig, Kinder und Jugendliche als Expert:innen für ihre Lebenswelt und Sprecher:innen für die eigenen Bedürfnisse zu beteiligen.
UND AN WELCHEN PROJEKTEN ARBEITEN SIE AUSSERDEM?
Johannes Heun: Wir planen gemeinsam mit Silke Althaus eine Studienreise nach Berlin im September 2026, ein so genanntes Pastoralkolleg. Es stehen ca. 25 Plätze zur Verfügung - die Reise ist schon so gut wie ausgebucht, was uns sehr freut. Wir werden Menschen treffen, die kirchliches Leben in ihrem urbanen Kontext gestalten oder auch kirchliche Räume mit ganz neuen Ideen füllen. Aber auch die Gemeinschaftserfahrung an sich ist uns wichtig. Wenn ich an die Kollegs denke, an denen ich bisher teilgenommen habe, dann konnte ich dort jeweils neue Kontakt knüpfen und Bekanntschaften vertiefen.
Christian Koch: Daneben gibt es noch größere und kleinere Projekte. Bei mir geht es gerade etwa auch um die Entwicklung eines neuen Gesprächsformats. Die Leitungsrunde des Kirchenkreises plant, im ersten Halbjahr 2026 einmal im Monat zu einem offenen Austausch per ZOOM einladen. Hier soll niedrigschwellig zu Themen des aktuellen Reformprozesses informiert werden und es gibt Raum für Austausch. Ich unterstütze da bei der Konzeption und Moderation. Außerdem begleiten wir einige Kirchengemeinden in ihren Entwicklungsprozessen. Hier steht gerade das Thema Gebäude und Standorte im Vordergrund.
SIE SIND ALS U-TEAM ALSO VIELFÄLTIG IM PROZESS UNTERWEGS. WIE BEWERTEN SIE EIGENTLICH DEN AKTUELLEN FORTSCHRITT?
Christian Koch: Ehrlicherweise schwankt das bei mir von Tag zu Tag. Vor einigen Wochen fiel uns ein Bericht von der Kreissynode Essen-Süd aus dem Jahr 2004 in die Hände. Da wurde Superintendent Mundt zitiert, der meinte aufgrund des Rückgangs von Mitgliedern und Finanzen müsse sich die Kirche nun grundsätzlich wandeln und ein neues Denken „über Gemeindegrenzen hinweg“ sei jetzt nötig. Das ist über 20 Jahre her und ich befürchte, wir sind noch immer nicht in diesem neuen Denken angekommen. Gleichzeitig spüre ich auch, dass sich gerade im Kirchenkreis wirklich etwas bewegt. Viele Menschen machen sich auf den Weg. Gemeinden gehen zusammen, die Gemeindeübergreifenden Dienste und die Diakonie bringen ihre Expertisen ein. Das ist schon auch toll, was da immer wieder an Neuem gelingt.
Johannes Heun: Beim Zukunftstag im Oktober sind wir ja von einem Wort des Propheten Jesaja ausgegangen, wo Gott sagt: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf“. Ich erlebe in unserem Prozess schon, dass es um Raum für Neues geht. Viele Menschen investieren gerade sehr viel in einen zeitgemäßen Umbau unserer Strukturen. Wir arbeiten daran auf vielen Ebenen. Und ich hoffe, dass wir dadurch gute Bedingungen schaffen für das Neue, das Gott wachsen lassen will.
DANKESCHÖN FÜR DAS GESPRÄCH!
Hier finden Sie einen kurzen Bericht über den Zukunftstag am 4. Oktober 2025 »
