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Intensive Beratungen, weise Entscheidungen - und eine gute Gemeinschaft

Mitglieder der Landessynode schildern ihre Eindrücke

Mit einer Abendmahlsfeier im Saal des Bonner Maritim-Hotels ist am Dienstag (20.01.) die 80. ordentliche Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland zu Ende gegangen. Fünf Tage lang wurde intensiv beraten, debattiert, abgestimmt und gewählt.

Einige Schlaglichter: Die Synode hat eine landeskirchliche Haushaltskonsolidierung mit einer Einsparsumme von mehr als 30 Millionen Euro für die kommenden Jahre auf den Weg gebracht. Vizepräses Antje Menn stellte eine neue Meldestelle für beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitende vor, die im kirchlichen Kontext rassistische Erfahrungen machen. Das kirchenleitende Gremium hat sich verpflichtet, die Bekämpfung von Armut voranzutreiben.

Generalstaatsanwalt a.D. Horst Bien berichtete aus der Arbeit der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission für den Verbund West. In einem Ökumene-Talk ermutigte die libanesische Pfarrerin Najla Kassab zum Gespräch mit Andersdenkenden. Die Synode verurteilte einen vermeintlich "christlichen" Nationalismus und forderte den Schutz von Menschen- und Demonstrationsrechten sowie einen Abschiebestopp in den Iran.

Nachfolgend berichten Essener Mitglieder der Landessynode, wie sie die Beratungen empfunden haben, in alphabetischer Reihenfolge:

THOMAS CASPERS-LAGOUDIS, LANDESSYNODALER

Es war eine intensive Landessynode, aber auch eine schwierige. Die zurückgehenden Finanzen standen im Fokus und hierbei die Einsparungen - sie sind nötig, aber alles andere als leicht. Es war daher gut zu erleben, wie inhaltlich um einzelne Punkte gerungen und nach Perspektiven gesucht wurde, um am Zukunftsbild einer lebendigen Kirche weiterzuarbeiten.

PFARRER DAVID GABRA, LANDESSYNODALER

Rheinische Landessynode 2026 – Unsere Kirche steht auf der Seite der Schwächeren. Echt? Mit dieser Frage bin ich mit Zwiespalt zur Synode gegangen: Eine klare Haltung zu „Armut in einer reichen Gesellschaft“ – und zugleich harte Finanzentscheidungen in einer kleiner werdenden Kirche. Ein Spagat!

Fünf Tage lang haben wir diskutiert, zugehört und Entscheidungen verändert. Radikale Kürzungsvorschläge wurden korrigiert: Der Arbeitslosenfonds wird reduziert statt gestrichen, der Härtefonds bleibt, die Mittel für die Flüchtlingsarbeit werden gesichert. Auch die Zukunft der Studierendengemeinden wurde neu gestaltet.

Besonders hoffnungsvoll: Unsere rheinische Kirche richtet eine Meldestelle gegen Rassismus ein und stärkt Betroffene durch ein Empowerment-Netzwerk — ein klares Zeichen für Gerechtigkeit.

Ich gehe nach Hause mit einem guten Gefühl: Meine Kirche hält Kurs — an der Seite der Schwächeren. Das gibt mir Hoffnung.

PFARRERIN JULIANE GAYK, LANDESSYNODALE

Ich fahre müde, aber auch hoffnungsvoll von dieser Synode nach Hause. Unsere Kirche hat immer weniger Mitglieder. Deshalb hat sie auch weniger Geld. Wir müssen uns entscheiden: Welche Aufgaben sind uns so wichtig, dass wir sie auf keinen Fall aufgeben wollen? Was ist unsere Aufgabe als Kirche heute?

Die Beschlüsse, dass die Arbeit mit Geflüchteten und die Unterstützung von arbeitslosen Menschen werden weiter finanziert werden sind mir besonders wichtig. Unsere Kirche steht an der Seite der Menschen, die Hilfe brauchen. Das macht mir Hoffnung.

Gleichzeitig merken wir als Synode: Unsere Kirche muss sich verändern. Viele Menschen haben das Gefühl, dass Kirche nichts mit ihrem Leben zu tun hat. Ich freue mich sehr, dass ein Impuls aus unserem Kirchenkreis Essen mit dazu geführt hat, dass weiterhin neue Formen von Kirche erprobt werden und dass ein gemeinsamer Prozess für innovative Wege in unserer Kirche weitergeht.

MARION GREVE, SUPERINTENDENTIN

Diese Landessynode hatte es in sich – dicht, intensiv und stellenweise ziemlich wolkenverhangen. Mit der Aufgabe, 33 Millionen Euro bis 2030 einzusparen, bin ich sorgenvoll angereist. Die Notwendigkeit zu sparen lag wie eine dunkle Wolke über uns. Umso wichtiger waren die Lichtblicke.

Gut getan haben mir neue Gesprächsformate: die angedachten Sparmaßnahmen und die Frage nach der Vision für unsere Kirche wurden in bunt gemischten Arbeitsgruppen diskutiert, außerhalb der offiziellen Tagungsausschüsse. Es gab Mittagstalks rund um das Kirchenbild einer Mixed Ecology Church – und immer wieder die gemeinsame Rückbesinnung auf unseren Werte-Kompass als „Kirche für Andere“. Besonders wertvoll waren die offenen Begegnungen mit Menschen, die von unseren Beschlüssen unmittelbar betroffen sind.

Ein starkes Beispiel dafür war das Gespräch mit Studierenden der ESG. Gemeinsam mit den Essener Synodalen haben wir uns mit einem Sprecher der ESG Duisburg-Essen ausgetauscht. Mich hat tief beeindruckt, wie sehr die ESG als Heimat erlebt wird – und wie groß zugleich die Bereitschaft ist, gemeinsam mit dem Kirchenkreis an einem veränderten Zukunftskonzept weiterzudenken. Dieses Gespräch wirkt bei mir nach. Ich bin dankbar, dass sich die Studierenden mit Protest, Engagement und Dialog eingebracht haben.

Am Ende der Synode überwiegt bei mir der Stolz auf unsere Kirche: wir haben von der letzten Landessynode herkommend weiter gearbeitet an einer diversen vielfältigen Kirche mit den Aufträgen zur Umsetzung von kirchlichen Körperschaften. Wir haben unsere Verantwortung für junge Menschen ernst genommen – ebenso wie unsere Anwaltschaft für diejenigen, die Unterstützung brauchen. Die Fortführung des diakonischen Härtefallfonds und des Arbeitslosenfonds ist dafür ein deutliches Zeichen.

Für die Zukunft wünsche ich mir noch mehr Transparenz und mehr Formate wie den Mittagstalk, die helfen, die Themen hinter den Tagesordnungspunkten sichtbar zu machen.

Synodale Power habe ich besonders am letzten Tag gespürt – bei der Diskussion um das zukünftige Verfahren bei der Presbyteriumswahl. Da war sie deutlich zu spüren: unsere gemeinsame Forderung nach mehr Freiraum und flexibleren Lösungen.

Mein persönliches Symbol für diese Landessynode ist übrigens der "Hoptimist" – eine kleine dänische Designfigur, die für Freude und Hoffnung steht. Ein Mensch, der hofft und hopst. Der sich aus der Gegenwart hinauswagt in das, was noch nicht da ist, aber gut werden kann. Genau das habe ich erlebt: Eine Landessynode, die gesprungen ist. Über Mauern. Über Hindernisse. Und nicht zuletzt: mit Gott.

KARSTEN HERFORT, LANDESSYNODALER

Ich verlasse die Tagung mit dem guten Gefühl, dass die schwierigen Aufgaben, die auf dieser Synode auf uns gewartet haben, nach einem sachlichen und konstruktiven Diskurs auf Augenhöhe bewältigt wurden. Besonders eindrucksvoll fand ich, dass in diesem Entscheidungsprozess - neben dem finanziellen Ziel - nicht nur die Interessengruppen im Blick waren, die Ihr Anliegen den Synodalen eindrucksvoll unmittelbar selbst nahe bringen konnten, sondern auch diejenigen, die dazu aus vielen Gründen nicht in der Lage und deshalb "unsichtbar" sind. Dies zeichnet die Synode und unsere Landeskirche aus.

JULIAN PANNEN, EVANGELISCHE JUGEND IM RHEINLAND

Ich blicke mit einem guten Gefühl auf die Tagung zurück. In meinen Augen hat diese Synode wieder einmal gezeigt, wie gut uns unsere Kirchendemokratie tut. Wir haben sehr intensiv gearbeitet. Ich habe eine große Offenheit erlebt und einen Anspruch, bei allem das Gute und Richtige im Blick zu halten - ganz im Sinne der Nächstenliebe und einer zukunftsfähigen Kirche. Das war für mich vor allem in der Diskussion über den Sparprozess spürbar, in der wir versucht haben, gute Lösungen zu finden, um unsere Prioritäten bestmöglich zu setzen (auch wenn ich da bei einigen wenigen Punkten noch Potenzial sehe).

Auch dass wir uns als Kirche weiter gegen soziale Ungleichheit, für Menschlichkeit und in der Politik für geflüchtete Menschen und viele weitere gute Dinge einsetzen, macht mir Mut.

HELGA SIEMENS-WEIBRING, NEBENAMTL. MITGLIED DER KIRCHENLEITUNG

Es war für mich eine sehr anstrengende Synode. Der Einspardruck ist groß. Umso schöner, dass im geschwisterlichen Miteinander noch einige Verbesserungen erreicht werden konnten. Das engagierte Kämpfen der Betroffenen hat mir sehr imponiert, z.B. von den Studierenden der Evangelischen Studierendengemeinnden, den Mitarbeitenden aus dem Haus der Stille oder den Verantwortlichen für den Arbeitslosen- und Härtefonds.

Die Diskussionen waren kontrovers, aber fast durchgängig sehr, sehr fair. Ich finde, dass sich in den Beschlüssen wieder einmal die "Weisheit der Synode" zeigt!

ZOE STELZNER

Müde, aber beseelt von vielen Eindrücken schaue ich auf die vergangene Landessynode 2026 zurück. Kräftezehrend waren die Diskussionen Rund um Prioritätensetzung, Haltungs- und Zukunftsfragen. Ich bin inspiriert von vielen Pionier*innen, die mutig nach einer Kirche suchen, die auch in der Zukunft Relevanz hat. Gleichzeitig nehme ich den Schmerz wahr, Gutes und Bekanntes aufgeben zu müssen und vor allem die Einsparungen, die es geben muss, hinterlassen viel Kummer.

Ich bin sehr dankbar darüber, dass der landeskirchliche Härtefonds und auch der Arbeitslosenfonds nicht so drastisch gestrichen wurden wie ursprünglich vorgeschlagen. Diese Entscheidung macht mir Hoffnung, dass wir trotz Veränderungen nicht unseren wesentlichen Auftrag als Evangelische Kirche aus dem Blick verlieren, für Menschen da zu sein, die aufgrund von einer Chancenungleichheit und durch Ungerechtigkeiten in Not sind.“

Sobald uns weitere Statements vorliegen, ergänzen wir sie im Beitrag.

AUSFÜHRLICHE INFOS ÜBER DIE GETROFFENEN ENTSCHEIDUNGEN

Ausführliche Informationen über die Ergebnisse der Beratungen finden Sie auf der Homepage landessynode.ekir.de der Evangelischen Kirche im Rheinland und - übersichtlich zusammengefasst - in der neuen Ausgabe von synode.info (PDF). Die nächste Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland findet 2027 wieder in Bonn statt – vom 15. bis 19. Januar.

Unser Titelbild zeigt alle Essener Mitglieder der Landessynode, v.li.n.re: Thomas Caspers-Lagoudis, Juliane Gayk, Zoe Stelzner, Prof. Dr. Narku Laing (nebenamtl. Mitglied der Kirchenleitung), Marion Greve, Finja Schult (Evangelische Jugend im Rheinland), Karsten Herfort, Julian Pannen, Helga Siemens-Weibring und David Gabra.

 

 

 

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